Berliner CSD 2023: Ein unvergessliches Fest trotz Neonazi-Protesten
Der 48. Christopher Street Day (CSD) in Berlin bleibt als der längste seiner Geschichte in Erinnerung, da die Feierlichkeiten erstmals über zwei Tage hinweg stattfanden. Mit über 80 Wagen, 55 Fußgruppen und Hunderttausenden Teilnehmern zählte das Event zu den größten CSDs in Europa. Unter dem Motto „Haltung ist hot“ zog die farbenfrohe Parade von der Leipziger Straße über den Potsdamer Platz und den Nollendorfplatz bis zur Siegessäule im Tiergarten. Der CSD erinnert an die Ereignisse von 1969 in New York, als die Polizei das „Stonewall Inn“ stürmte und einen mehrtägigen Aufstand von LGBTQ+-Personen auslöste.
In diesem Jahr war die Parade nicht nur bunt, sondern auch stark politisch geprägt. Die Organisatoren formulierten sechs zentrale Forderungen an die zukünftige Landesregierung: die Bewerbung für den WorldPride 2032, den Schutz queerer Infrastruktur, erhöhte Sicherheit, Vielfalt in der Bildung, den Ausbau gesundheitlicher Einrichtungen sowie eine verlässliche Finanzierung.
Die Berliner Polizei, die mit etwa 2200 Einsatzkräften im Stadtgebiet präsent war, beobachtete auch mögliche Gegendemonstrationen aus dem rechtsextremen Spektrum. Am Potsdamer Platz wurden 15 Personen überprüft, die möglicherweise zu solch einer Versammlung unterwegs waren. Laut Polizei führte eine Person einen verbotenen Gegenstand mit sich und durfte nicht an dem Treffen teilnehmen. Die übrigen Teilnehmer wurden von Polizeikräften zu ihrem Versammlungsort geleitet. Polizeisprecher Florian Nath bezeichnete die Situation als entspannt, da die Überprüfung im Vergleich zu den Hunderttausenden von CSD-Besuchern gering war.
Am Schöneberger Ufer trennte die Polizei einen Neonazi-Protest vom CSD. Die etwa 15 Neonazis standen hinter Absperrgittern, während ihre Präsenz bei der Parade unbemerkt blieb. Bei den rechten Demonstranten wurden Aufkleber und eine Reichskriegsflagge sichergestellt. Diese Maßnahme diente der Gefahrenabwehr, um potenziellen Sachschaden zu verhindern. Ein Teilnehmer der Neonazi-Demo wurde festgenommen, nachdem er eine andere Person beleidigt hatte.
Viele Teilnehmer reisten aus aller Welt an, darunter Tori, Arten, Alex und Rey, die aus der Ukraine nach Berlin gekommen waren. Sie berichteten, dass queere Veranstaltungen in ihrer Heimat aufgrund des Kriegs nicht mehr möglich sind.
In diesem Jahr nahm auch die Berliner Morgenpost mit einer eigenen Fußgruppe an der Parade teil. Chefredakteur Peter Schink und Redaktionsmitglieder liefen gemeinsam mit Lesern im bunten Zug mit. Darüber hinaus war die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz mit einem Wagen präsent, der aufgrund einer anfänglichen Panne nicht wie vorgesehen eingereiht war.
Die CSD-Veranstalter rufen am Sonntag zu einer After-CSD-Clean-up-Aktion auf, die zwischen 14 und 17 Uhr am Großen Stern (Siegessäule) stattfinden soll. Teilnehmer werden gebeten, sich daran zu beteiligen, um den entstandenen Abfall gemeinsam zu beseitigen. Als Dankeschön werden unter den Helfern Tickets für einen Platz auf dem kommenden CSD-Wagen verlost.
Der erste CSD in Berlin fand im Jahr 1979 in West-Berlin mit etwa 450 Teilnehmern statt. Damals standen die Mottos „Gay Pride“ sowie „Mach dein Schwulsein öffentlich!“ und „Lesben erhebt euch und die Welt erlebt euch!“ im Mittelpunkt. Die Route führte vom Savignyplatz in Richtung Halensee.
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