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Stadionbesuch für Menschen mit Demenz: Emotionen beim FC Union

kamal · 25. Juli 2026, 05:41 Uhr · 3 Min. Lesezeit · 1 Aufrufe
Stadionbesuch für Menschen mit Demenz: Emotionen beim FC Union

In Berlin leben etwa 65.000 Menschen mit Demenz, viele von ihnen in Pflegeeinrichtungen oder im Kreis ihrer Angehörigen. Um diesen Menschen die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu erleichtern, hat der Malteser Hilfsdienst das Projekt „Mehr (er)leben“ ins Leben gerufen, das durch die Deutsche Fernsehlotterie finanziert wird.

In dieser Woche fand zum ersten Mal eine Führung im Stadion Alte Försterei, der Heimat des FC Union Berlin, statt. Die Besuchergruppen aus dem Katharinenhof und dem Dr.-Harnisch-Haus wurden von Jens Oestreich, einem erfahrenen Stadionführer, empfangen, der normalerweise Kinder und englischsprachige Gäste durch die Arena führt. Gemeinsam mit den Maltesern hat er ein spezielles Konzept für die Demenzführung entwickelt: „Bei dieser Führung gilt: Weniger ist mehr. Wir vermeiden zu viele Eindrücke auf einmal und machen regelmäßig kurze Pausen“, erklärt Oestreich.

Die Gruppe von etwa 20 Personen hatte einige Union-Schals oder Mützen dabei, und auch die Pflegekräfte waren oft als Fans des FC Union zu erkennen. „Wir sind hier beim Sport, da duzen wir uns“, sagte Oestreich zu Beginn der Tour. Die erste Station war das Gebäude Alte Försterei, das dem Stadion seinen Namen gibt. Hier erinnerte sich Karl-Heinz Jungclaus, 95 Jahre alt, an seine Jugend: „Früher war hier eine Sandwüste. Ich habe viel Fußball gespielt, um meine Emotionen auszuleben“, erzählte er.

Christian Arbeit, Vorstandsvorsitzender der Stiftung „Union vereint – Schulter an Schulter“, begrüßte die Besucher herzlich. Die Stiftung unterstützt die Demenzführungen in Zusammenarbeit mit dem Malteser Hilfsdienst. „Fußball verbindet Menschen, das spiegelt sich in unserem Vereinsnamen wider“, sagte der Vorsitzende, der vielen als Stadionsprecher bekannt ist.

Nach einem Halt an der Statue, die an den Sieg gegen Jena 1968 erinnert, ging es in den Pressekonferenzraum, wo ein kurzer Film über die Vereinsgeschichte und das traditionelle Weihnachtssingen gezeigt wurde. Jens Oestreich erklärte den Besuchern, wie Pressekonferenzen ablaufen und ließ sie sogar an den Stehpulten Erinnerungsfotos machen. Anschließend fuhren sie in die „Balletage“ des Stadions, wo sie bei einem kurzen Zwischenstopp ein Lego-Modell des Stadions bewundern konnten.

Im weiteren Verlauf der Führung besuchten die Teilnehmer die Spielerkabinen, was besonders für die 80-jährige Christa Huschbeck ein emotionaler Moment war: „Mein verstorbener Mann war Fußballer, und ich bin überrascht, wie schön es hier ist.“ Auf dem Weg zur Tribüne erinnerten sich viele an eigene Fußballerlebnisse. Jens Oestreich verteilte den Text der Union-Hymne, und die Senioren sangen begeistert mit: „Und niemals vergessen, Eisern Union!"

„Wir sind sehr dankbar, dass der Klub diese Führungen ermöglicht“, bemerkte Susanne Karimi, Projektleiterin der Demenzarbeit bei den Maltesern. Die nächste Führung ist bereits ausgebucht, was das große Interesse an solchen Angeboten zeigt. Gemeinsam mit dem Olympiastadion wird erörtert, dort ähnliche Führungen anzubieten. „Es erfordert zusätzlichen Aufwand, aber für Menschen mit Demenz ist es eine bereichernde Erfahrung, die Erinnerungen weckt“, so die Projektleiterin.

Weitere Informationen zu Kulturangeboten für Menschen mit Demenz sind unter www.malteser-berlin.de/demenz erhältlich.

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