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Karstadt-Liebe: Sammler sucht Erinnerungsstücke der Warenhauskette

kamal · 24. Juli 2026, 19:56 Uhr · 4 Min. Lesezeit · 2 Aufrufe
Karstadt-Liebe: Sammler sucht Erinnerungsstücke der Warenhauskette

Holger-Philipp Bergt aus Bremen ist ein wahrer „Karstadt-Ultra“. „Als ich die Neuigkeiten hörte, dachte ich, ich falle vom Stuhl“, berichtet er. Die Ankündigung, dass die umsatzstarke Filiale am Kudamm in Berlin in Schwierigkeiten steckt, überrascht ihn, insbesondere angesichts des hohen Investitionsstaus. Am Mittwoch wurde bekannt gegeben, dass 33 Galeria-Filialen in Deutschland um ihre Existenz zittern müssen, darunter auch die Filialen am Alexanderplatz, am Hermannplatz, am Kurfürstendamm und in Spandau.

Eine Woche vor dieser Bekanntmachung spricht Bergt mit der Redaktion der Berliner Morgenpost, während er die Karstadt-Filiale am Hermannplatz besucht. Der Karstadt-Enthusiast hat über drei Jahrzehnte hinweg ein umfangreiches Privatarchiv mit Prospekten, Bauplänen, historischen Fotos und vielen weiteren Dokumenten angelegt, die in etwa 120 Leitz-Ordnern untergebracht sind. Dazu gehören auch Porzellan, Silberbesteck, Eisschalen aus den Restaurants und etwa 500 Kleiderbügel. „Es ist wahrscheinlich die größte private Sammlung zur Geschichte von Karstadt in Deutschland“, erklärt Bergt. Er ist besonders stolz auf ein Emailschild aus einer Stettiner Filiale aus den 1920er Jahren, das ein Einschussloch aus dem Krieg aufweist.

Der Sammler hat sich nun an die Berliner Morgenpost gewandt, um spezifische Relikte der Berliner Karstadt-Geschichte zu finden und hofft auf Unterstützung von den Lesern. Bergt erläutert, dass der Standort am Hermannplatz für Karstadt interessant wurde, vor allem durch den Bau der U-Bahn-Linien U7 und U8 sowie des Bahnhofs Hermannplatz.

Seine Leidenschaft für Karstadt begann während seines Architekturstudiums, als er eine Diplomarbeit über den Architekten Philipp Schaefer zu schreiben plante, die allerdings nie abgeschlossen wurde. „Ich hatte schon einige Materialien von Karstadt erhalten, und das war der Beginn“, erinnert sich der 61-Jährige. Durch seine Recherchen und das Knüpfen von Kontakten zu Mitarbeitern und Filialverantwortlichen in ganz Deutschland wuchs sein Wissen weiter.

Besonders der Baustil von Philipp Schaefer, der den typischen Karstadt-Stil prägte, fasziniert Bergt. „Die Gebäude verkörperten eine Stärke und einen Unternehmensstolz“, sagt Bergt. Er hebt hervor, wie damals eine Corporate Identity durch die Architektur geschaffen wurde, sichtbar auf Preisschildern und Speisekarten in den Restaurants.

Er erwähnt, dass die Schaffung eines grafischen Erbes, wie etwa das bekannte Karstadt-Quadrat der 90er Jahre, eine der letzten erfolgreichen Marketingstrategien war, bevor die Fusion mit Kaufhof und die Umwandlung in Galeria stattfand. Bergt kritisiert die Fusion, die Karstadt stark geschadet habe, und bemängelt die Schließung zahlreicher kleiner, profitabler Kaufhäuser.

„Ich lebe Karstadt. Deswegen macht mich die aktuelle Entwicklung traurig, denn das müsste nicht sein“, sagt Bergt. Er ist überzeugt, dass Warenhäuser auch im Zeitalter des Online-Shoppings eine Rolle spielen können, wenn sie richtig umgesetzt werden. Bergt nennt erfolgreiche Beispiele aus Belgien und der Schweiz, wo die Sortimente an lokale Bedürfnisse angepasst und die Kunden durch umfangreiche Beratungen sowie attraktive Angebote zum Verweilen eingeladen werden.

Bergt blickt besorgt auf die Filiale am Hermannplatz, die nach ihrer Eröffnung als das größte und modernste Warenhaus Europas galt. Sie wurde während des Krieges größtenteils zerstört, und nur ein kleiner Teil ist erhalten geblieben. Die Graffiti an der Fassade ärgern ihn sehr, und er glaubt, dass die Zeit für das Neuköllner Haus abläuft. „Dass es zur Insolvenzmasse der Signa gehört, führt nur zu Stillstand“, meint er.

Die Prognose für die Zukunft ist düster, doch für andere Filialen in Städten wie Bremen, Dresden oder Karlsruhe sieht er bessere Chancen. „Ich hoffe, dass Karstadt mit weniger Häusern überleben kann und passende Investoren findet“, sagt Bergt abschließend. Er wird weiterhin die Vergangenheit von Karstadt forschen und archivieren.

Besitzer historischer Fotos, Kleiderbügel, Werbematerialien oder andere Relikte aus Berliner Karstadt-Filialen sind aufgefordert, sich unter Tel. (0421) 47885875 oder per E-Mail an holger.bergt@web.de zu melden.

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